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IGA

Der Autor dieser Seiten (Meldric) hat im Jahr 2007 die International Glíma Association (IGA) in Reykjavík (Island) mit gegründet.

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Glíma Deutschland
Christian "Meldric" Bartel
Postfach 1842
54208 Trier

Geschichte

Historisch / Moderne

Glíma ist hauptsächlich in Island bewahrt worden, so wie dort auch die Sprache sich seit der Wikingerzeit kaum verändert hat. Seit 1905 wird Glíma wieder als eine Nationalsportart in Island betrieben. Der jeweilige Champion ist der Träger des so genannten Grettisbeltið. Diese Auszeichnung geht auf die Grettis saga zurück, deren Held Grettir auch ein Glíma-Kämpfer war. Die Wikinger-Sagas sind in Island noch sehr lebendig. Ebenso wie die Sprache von den Isländern sehr sorgsam gepflegt und von Fremdeinflüssen frei gehalten wird, werden auch Traditionen und Gebräuche bewahrt und weitergegeben. Aus diesem Zusammenhang ist es auch zu verstehen, daß der Grettisbeltið Island per gesetzlicher Regelung nicht verlassen darf. Glíma-Champions genießen in Island ein hohes Ansehen. Traditionell kommt der spezielle Glíma-Gürtel zum Einsatz und eine besondere Form von Schritten um den Gegner herum. Dieses so genannte stigið ergibt für den Beobachter den Eindruck eines Tanzes. Es gibt in Island kleine territoriale Unterschiede. Zum Beispiel ist die Richtung des stigið in verschiedenen Gegenden unterschiedlich. Aber nicht erst seit 1905 ist Glíma wieder bekannt.


Ältestes bekanntes Foto aus den 1870er Jahren


Es ist durch verschiedene Quellen aus dem 16. bis 18. Jahrhundert nachvollziehbar, daß Glíma in der Bevölkerung Islands immer praktiziert wurde. Glíma wird auch in einem schwedischen Fechtbuch aus dem 18. Jahrhundert als integraler Bestandteil der skandinavischen Fechtschulen bezeichnet. Kampf-Glíma und Sport-Glíma haben die Jahrhunderte immer nebeneinander existiert. Der einzige Unterschied ist die Intention der Kämpfer.

Glíma in historischen Quellen

Glíma läßt sich in verschiedenen historischen Quellen bis ins 14. Jahrhundert zurückverfolgen. Dabei sind vor allem Wörterbücher interessant, die die Bedeutung des Wortes zu verschiedenen Zeiten beschreibt. Daraus kann man ablesen, dass Glíma vor allem in Island schon seit vielen Jahrhunderten ein Bestandteil des alltäglichen Lebens ist.

Daneben gibt es das Edda-Lied, in dem Thors Reise zu Utgard-Loki beschrieben wird. Dort wird der Kampf von Thor mit Elli (dem personifizierten Alter) beschrieben und die Beschreibung läßt in mehreren Details auf Glíma schließen. Allein der Hinweis auf Tanzen läßt eine Verbindung vermuten.

Weitere Informationen finden sich auf der Seite der Viking Glíma Federation: History. Das Ganze gibt es hier auch als PDF-Dokument (Englisch).

Die Wikinger

Glíma als Teil des Kriegertrainings?

Zweifellos hatten die Wikinger einen großen Einfluss auf die Welt ihrer Zeit. In relativ kurzer Zeit erweiterten sie ihr Einflussgebiet von Skandinavien aus bis zum Kaspischen Meer im Osten, Nordamerika im Westen und Nordafrika im Süden. Sie bewiesen auf eindrucksvolle Weise ihre Fähigkeiten als Seefahrer und Händler. Von einem unbändigen Entdeckerdrang getrieben, waren sie dazu bereit, trotz aller Gefahren immer wieder ins Ungewisse aufzubrechen. Ohne Frage waren die Wikinger sich ihrer Fähigkeiten bewusst und sie waren augenscheinlich der Auffassung, daß sie es mit allem aufnehmen könnten, was sich ihnen in den Weg stellen würde. Sie waren sowohl Händler als auch Krieger und außerdem dafür bekannt, eine der effektivsten Kriegerkulturen ihrer Zeit hervorgebracht zu haben. Dementsprechend waren sie gefürchtet. Es ist anzunehmen, daß die Kampfkunst der Wikinger ein durchdachtes und strukturiertes Gerüst hatte, nach dem die Krieger trainierten. Wie sonst wäre eine derartige Effektivität zu erklären?

Natürlich muss mit den verschiedenen Waffen trainiert worden sein, die für die Zeit und die sozialen Verhältnisse der Wikingerkrieger typisch waren. Dazu zählen bekanntermaßen das Schwert, die Einhandaxt, das so genannte Sax, Lanzen, Dänenäxte und auch Pfeil und Bogen. Aber um all diese Waffen einsetzen zu können, bedarf es mehr als dem Training an der Waffe selbst. Zum Einen ist es unbedingt erforderlich, Beweglichkeit, Kondition und Kraft zu trainieren. Natürlich sind auch Kenntnisse um erfolgversprechende Taktiken und Listen sowie deren Anwendung in verschiedenen Situationen hilfreich im Kampf. Auch das wird trainiert worden sein. Aber auch Gleichgewichtsgefühl, ein sicherer Stand und Geschick im unbewaffneten Kampf sind Grundlagen einer guten Kampftechnik. An dieser Stelle kommt Glíma ins Spiel. Glíma ist durch sein universelles Anforderungsprofil sowohl der Kern der Kampfkunst, da es sowohl Kraft, Kondition, Gleichgewicht und Koordination entwickelt und fördert, als auch die Form des unbewaffneten Kampfes an sich ist. Das Ziel beim Glíma war es damals, für einen sowohl bewaffneten als auch für einen unbewaffneten Kampf auf Leben und Tod bereit zu sein. Diese Situation kam für die damaligen Menschen natürlich viel häufiger zu Stande als für uns und daher mag es einleuchten, dass Glíma ein Bestandteil des Alltag gewesen sein müsste, um sich selbst für alle wartenden Überraschungen so gut wie möglich bereit zu machen.

Ehre und Ideale eines Wikinger-Kriegers

Wenn über die Wikinger-Kampfkunst gesprochen wird, ist es wichtig zu betonen, dass das System durch die zu Grunde liegenden Konzepte lebt und funktioniert. Im Konungs Skuggsjá (Der Königsspiegel) aus dem Norwegen des 13. Jahrhunderts kann man die Essenz dessen erahnen, was die Grundlage der Wikinger-Kampfkunst ausmacht:

Wenn du in einen Kampf oder eine Schlacht verwickelt wirst, solltest du tapfer und ohne Angst sein. Kämpfe nur mit bekannten und nützlichen Bewegungen, so wie du sie vorher gelernt und trainiert hast. Du solltest in einer guten Stimmung sein und den Zorn des wahren Kriegers spüren. Du solltest auf keinen Fall nur defensiv sein. Du solltest keine nutzlosen Angriffe machen und nicht wie ein feiger Mann handeln. Bedenke, dass du immer die Fähigkeiten deines Gegners kennen musst. Du solltest hart und unbeugsam in allen Kämpfen sein, aber niemals hitzköpfig oder überheblich. Sei dir immer klar darüber, dass andere immer in der Lage sein sollten, ein gutes Urteil über deine Taten zu geben. Daher solltest du nie stolz mit deinen eigenen Erfolgen prahlen. Das schlimmste, was du tun kannst, ist schlecht über den zu sprechen, den du soeben besiegt hast, weil seine Angehörigen ihn rächen werden, wenn sie herausfinden, dass du etwas respektloses über ihn gesagt hast, als er fiel.

(Frei übersetzt aus The secret art of Glíma / Quelle: Königsspiegel)

Der Königsspiegel wurde von einem erfahrenen Krieger geschrieben, der im Dienst des norwegischen Königs stand und seinen Sohn auf sein Leben in der großen Welt vorbereiten wollte. Es wird deutlich, dass Vorbereitung und Besonnenheit ebenso geschätzt wird wie Mut und Aggressivität.

Es ist heute immer noch ein wichtiger Grundsatz beim Glíma, nach einem Kampf keine all zu großen Emotionen zu zeigen, egal, ob man gewonnen oder verloren hat. Es ist eben so wenig erlaubt, einen Gegner respektlos zu behandeln oder sich über seine Leistung lustig zu machen. Natürlich muss man sich über seine Fähigkeiten und die des Gegners im Kampf bewusst sein, um seine Strategie zu planen und seine Kräfte einteilen zu können. Zu hitzig zu kämpfen ist wenig ratsam, weil man schnell die eigenen Reserven verbraucht und leicht zu schnell am Ende seiner Kraft angelangt ist. Der Kämpfer, der nur defensiv bleibt und versucht, sich zu verteidigen, wird am Ende mit großer Wahrscheinlichkeit verlieren. Wenn man die trainierten Techniken in einer aggressiven und mutigen Weise einsetzt, hat man die besten Chancen auf den Sieg. Wir sehen also, dass die damaligen Ratschläge auch heute noch sehr aktuell sind.
Zudem wird bei näherer Betrachtung auch deutlich, dass sie sich auf viele andere Lebenbereiche ausdehnen lassen.

Glíma-GaldR

Es gibt in Island die heidnische Magie-Tradition der GaldR. Ein GladR ist eine Kombination aus einem geschriebenen Zeichen und einem dazu gehörenden Spruch in einer bestimmten Versform. Das Zeichen wird mit Flüssigkeit auf den Körper gemalt und mit dem entsprechenden Vers verstärkt. Dabei kommen vornehmlich Körperflüssigkeiten zum Einsatz, wobei Blut die größte Macht nachgesagt wird.

Es gibt verschiedene GaldR, die speziell zum Einsatz beim Glíma-Ringen überliefert sind. Dazu gehört zum Beispiel das Ginfaxi, das der Kämpfer sich unter der Fußsohle anbrachte, um nicht zu fallen.





Entwicklungen seit 2006

Meldric kam mit den Jomswikingern (BlóðVitniR) im Jahr 2006 in Eindhoven auf dem Wikingermarkt zum ersten Mal in Berührung mit Glíma. Dort wurde Glíma von einer Abordnung isländischer und schwedischer Athleten dem Publikum vorgestellt. Mehrere Mitglieder der Krieger-Bruderschaft BlóðVitniR, in der Meldric zu diesem Zeitpunkt Mitglied war, nahmen nach der Demonstration an einem Workshop und anschließend am ersten Turnier der Geschichte teil, das nicht auf skandinavischem Boden ausgetragen wurde.

Durch das gute Abschneiden der Kampfbrüder beflügelt, wurde bei der abendlichen Party eher scherzhaft die deutsche Nationalmannschaft ausgerufen. Erst, als am Ende des Jahres eine Einladung zur Iceland-Air-Open in Island eintraf, wurde den Wikingern bewußt, dass die Ankündigung in Island sehr ernst genommen wurde.

Natürlich wurde eine Mannschaft zusammengestellt und teilgenommen. Die Ergebnisse gegen die isländischen Athleten war, wie zu erwarten, eher bescheiden. Aber dennoch hat die deutsche Nationalmannschaft an mehreren Turnieren teilgenommen und auch den ein oder anderen Erfolg errungen. Vorläufiger Höhepunkt war die Teilnahme von drei deutschen Athleten an der historisch ersten Weltmeisterschaft in Glíma in Roskilde (Dänemark) im Jahr 2008. Dort errangen zwei Sportler (Christian "Meldric" Bartel und Benjamin Werth) jeweils die Silbermedaille in der Disziplin Hryggspenna (auch Backhold), bei der über den Rücken des Gegners gegriffen wird.

Seit der ersten Begegnung mit Glíma wurden Seminare und auch ein Turnier in Deutschland (Schiffweiler im Saarland), auch mit der Beteiligung isländischer und schwedischer Trainer, ausgerichtet.

Zusätzlich erschienen verschiedene Artikel von Meldric über Glíma.