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IGA

Der Autor dieser Seiten (Meldric) hat im Jahr 2007 die International Glíma Association (IGA) in Reykjavík (Island) mit gegründet.

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Glíma Deutschland
Christian "Meldric" Bartel
Postfach 1842
54208 Trier

Was ist Glíma?

Einführung

Glíma ist eine traditionelle Form des Ringens, die primär in Skandinavien und speziell in Island bewahrt wurde und noch immer praktiziert wird. Glíma ist in verschiedenen Quellen über viele Jahrhunderte belegt und damit eine der wirklich authentischen, traditionellen Kampfkunstformen Europas.

Glíma kann sowohl als eine Form des Ringens betrachtet werden, aber es ist auch denkbar, dass Glíma ein zentraler Bestandteil des Kriegertrainigs in den vergangenen Jahrhunderten war. Glíma fördert die folgenden Bereiche:

  • Kraft
  • Ausdauer
  • Beweglichkeit
  • Geschicklichkeit
  • Ehrenhaftes Verhalten im Kampf

Diese Eigenschaften sind (wie auch in anderen Kampfkunst-Systemen) eine hervorragende Grundlage für das Training mit Waffen. Besonders das ehrenhafte Verhalten und der Respekt vor dem Gegner sind besonders hervorzuheben.

Welche Glíma-Arten gibt es?

Als eine Übung, die die körperliche Entwicklung fördern sollte, wurde Glíma in früheren Zeiten wie eine Art Sport praktiziert. Damit wurden Fähigkeiten trainiert, die für einen Kämpfer unerlässlich sind. Das alte skandinavische Wort für Sport lautet íþróttir. Dieser Begriff ist aber viel weiter gefasst als das heutige Verständnis von Sport. Es könnte viel eher mit „Kunst“ gleichgesetzt werden. Viele verschiedene Disziplinen fallen unter den Begriff íþróttir, wie zum Beispiel Bogenschießen, Runenritzen, Poesie, Schiffe bauen, Tafl-Spielen oder eben auch Glíma. Das einzige, was diese Dinge gemeinsam haben, ist, das sie Ausdauer (Training), ein gewisses Talent und Erfahrung benötigen, um gemeistert zu werden.

Heute wird in folgende Arten von Glíma unterschieden:

Glíma

Glíma - Hryggspenna - Lausatök

Beim Sport-Glíma wird in der Regel mit festen Griffen gekämpft. Es gibt einmal den Griff an der Hose des Gegners oder das Hryggspenna, bei dem über den Rücken des Gegners gegriffen wird. Bei der heute in Island üblichen Form kommt ein spezieller Gürtel zum Einsatz, an dem der Gegner statt an der Hose gegriffen wird. Das so genannte Lausatök (freies Greifen) erlaubt jeden Griff einzunehmen und auch den Griff zu wechseln. Die letzte Form ist dem Kampf-Glíma am ähnlichsten.

Kampf-Glíma (Battle-Glíma)

Das Kampf-Glíma (Battle-Glíma) ist der brutalste aber auch effektivste Stil. Trotz der Brutalität wird auch hier mit der ehrenhaften Einstellung trainiert und gekämpft, die charakteristisch beim Glíma ist. Das Ziel im Kampf-Glíma ist es, selbst aufrecht zu stehen, während der Gegner auf dem Boden liegt. Wenn beide Kämpfer zu Boden gehen, ist es das Ziel, so schnell wie möglich wieder auf die Beine zu kommen. Der Kampf dauert so lange, wie beide Kämpfer sich in gegenseitiger Reichweite befinden. Der Kampf wird auch fortgesetzt, wenn ein Kämpfer, der sich am Boden befindet, den stehenden Kämpfer noch greifen könnte und es auch tut. Diese Art Glíma wurde in Vorbereitung auf die Schlacht trainiert, um sich für eine Situation vorzubereiten, in der zum Beispiel die Waffe verloren war oder man durch den Kampfverlauf zu Boden gezwungen wurde. Man muss so schnell wie möglich wieder aufrecht stehen, denn am Boden ist ein Kampf gegen mehrere bewaffnete Gegner kaum zu gewinnen bzw. zu überleben. Das ist heutzutage in einem Straßenkampf ähnlich. Beim Beginn eines Kampfes in diesem Stil befinden sich beide Kämpfer in Reichweite voneinander. Wenn sich ein Kämpfer durch permanentes Ausweichen dem Kampf entzieht, wird das als feiges Verhalten gewertet und dieser Kämpfer verliert. Jede Technik, die den Gegner zu Boden bringen kann, ist prinzipiell erlaubt, aber beide Kämpfer müssen Respekt zeigen und dürfen den Gegner nicht absichtlich verletzen. Das bedeutet, das die Kämpfer bewusst kämpfen müssen und eine akzeptable Kontrolle über den Verlauf der Aktionen haben müssen; auch und gerade in der Hitze des Gefechts. Obwohl es Verletzungen geben konnte, so waren sie doch während des Trainings und während Wettkämpfen nie ein erklärtes Ziel. Sollte ein Mann beschuldigt werden, beim Glíma seinen Gegner absichtlich verletzt zu haben, und damit keinen Respekt vor der Gesundheit seines Gegners gezeigt zu haben, konnte das als ein tödlicher Angriff (gleichzusetzen mit einem Mordversuch) gewertet und bestraft werden. Als Strafe konnte derjenige aus der Gesellschaft verstoßen und damit vogelfrei werden. Diese sehr strengen Gesetze regelten Glímakämpfe von der Wikingerzeit bis ins Mittelalter.

Unterschiede zu anderen Arten des Ringens

Glíma unterscheidet sich in drei wesentlichen Punkten von anderen Formen des Ringens:

Upprétt staða (Aufrechtes Stehen)

Kämpfer müssen beim Glíma (nicht beim Hryggspenna oder dem Lausatök) in einer aufrecht stehenden Position bleiben. In anderen Formen des Ringens versuchen die Kämpfer oft, sich durch einen möglichst tiefen Schwerpunkt in einen sicheren Stand zu bringen und zu verteidigen. Im Glíma wird das "ousting" oder “bol” genannt und ist verboten. Dieses Prinzip gilt, wie bereits erwähnt, nicht für Hryggspenna und Lausatök.

Stígandinn (Schritte)

Glíma beinhaltet Schritte, die durch eine ständige Vorwärts- und Rückwärtsbewegung und der daraus entstehenden Drehung im Uhrzeigersinn, den Eindruck eines Tanzes machen. Stígandi ist eine der Charakteristiken von Glíma. Es soll einen Stillstand im Kampf verhindern und führt dazu, dass sich für beide Kämpfer ständig Gelegenheiten für Angriffe ergeben.

Níð

Es ist verboten, den Gegner mit purem Krafteinsatz zu Boden zu zwingen. Das wird als unsportlich angesehen und verstößt gegen "die Kunst des Glíma" als einer Kunst für ehrenhafte Sportsmänner und Sportsfrauen. Die Kämpfer müssen versuchen, ihren Gegner durch einen so guten Glíma-Griff (oder auch "Trick" genannt) zu überraschen, das der Gegner in einen "bylta" gezwungen wird. Das bedeutet, dass die Technik so perfekt angesetzt war, das der Gegner ohne weiteres Zutun zu Boden fällt. Das Konzept “níð” existiert in keiner anderen Form des Ringens.

Was bedeutet das Wort Glíma?

Glíma bedeutet soviel wie "Blitz" und beschreibt die schnelle, gleichsam "blitzartige" Durchführung der Angriffe. Glíma ist aber auch ein altes skandinavisches Wort für das Kämpfen selbst.

Glíma heute

Glíma wird heute als Sport trainiert und praktiziert. Dieser Sport ist lange Zeit nicht über Island hinaus bekannt gewesen, obwohl er 1914 schon einmal olympische Disziplin war. Glíma ist ein Nationalsprort Islands und wird dementsprechend auch von isländischen Kämpfern bei den entsprechenden Turnieren dominiert. Das geht soweit, das ein im Glíma ungebübter, wenn auch kampfbegabter Erwachsener, gegen isländische Kinder und Jugendlich einen sehr schweren Stand hat, wenn überhaupt eine Chance. Dadurch wird sehr deutlich, das Glíma sehr von Technik dominiert wird und nur zu einem kleineren Teil von der Kraft der Kämpfer.

Einen guten Eindruck vom heute (hauptsächlich noch in Island praktizierten) Glíma-Sport vermitteln dieses Videos:


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